2.844,20 Euro brutto im Monat, 14-mal im Jahr. So viel muss eine Wiener Werbeagentur seit 1. Mai 2026 mindestens zahlen, wenn eine Social-Media-Managerin ihre Kanäle selbstständig verantwortet und damit in Verwendungsgruppe 4 fällt. Wer nach Anweisung arbeitet, liegt mit 2.386,20 Euro eine Gruppe darunter. Beide Beträge stehen in der Gehaltsordnung des Kollektivvertrags Werbung und Marktkommunikation Wien, und beide sind eine Untergrenze, kein Marktpreis.
Eine vorgeschriebene Ausbildung gibt es für den Beruf nicht. Das AMS-Berufslexikon ordnet ihn den Kurz- und Spezialausbildungen zu. Seit Juli 2025 gibt es aber einen Lehrberuf, dessen Berufsbild die Arbeit mit Social-Media-Auftritten ausdrücklich beschreibt. Und wer Erfahrung nachweisen will, kann sich nach einer internationalen Norm zertifizieren lassen.
Was ein Social Media Manager tatsächlich tut
Die Stellenanzeigen klingen kreativ, der Alltag ist zu einem guten Teil Planung, Abstimmung und Auswertung. Die Kernaufgaben lassen sich in fünf Blöcke fassen:
- Strategie: festlegen, welche Kanäle ein Unternehmen nutzt, für welche Zielgruppe und mit welchem Ziel, wie es eine Social-Media-Strategie für KMU auf einer Seite zusammenfasst.
- Planung und Produktion: Redaktionsplan führen, Texte schreiben, Fotos und Kurzvideos erstellen oder beauftragen.
- Community: Kommentare und Nachrichten beantworten, Kritik aufnehmen, Beleidigungen entfernen.
- Anzeigen: Werbebudget verteilen, Zielgruppen einstellen, Kampagnen laufend anpassen.
- Auswertung: Kennzahlen messen, Berichte schreiben und daraus ableiten, was im nächsten Monat anders läuft.
Dazu kommt ein Block, den kaum eine Anzeige nennt: Recht. Wer Kanäle in Österreich betreut, muss wissen, wann ein Beitrag als Werbung zu kennzeichnen ist, wann eine abgebildete Person zustimmen sollte und dass jede Stellenausschreibung das kollektivvertragliche Mindestentgelt nennen muss, auch eine Instagram-Story. Wie das im Alltag aussieht, steht im Beitrag zum Social-Media-Redaktionsplan.
Wie viel Arbeit ein einzelner Kunde macht, lässt sich grob abschätzen. Ein Auftritt mit drei Bildbeiträgen, einem Kurzvideo und mehreren Story-Serien pro Woche braucht nach der dortigen Rechnung rund 38 Stunden im Monat. Eine Vollzeitstelle hat rund 167 Stunden. Rechnerisch betreut eine Person in einer Agentur also vier solcher Kunden, abzüglich Besprechungen, Akquise und Verwaltung eher drei. In einem Unternehmen, das nur einen Auftritt hat, ist Social Media dagegen oft eine Teilaufgabe neben Marketing oder Verkauf.
Vier Wege in den Beruf
| Weg | Dauer | Abschluss | Passt für |
|---|---|---|---|
| Lehre Medienfachkraft, Schwerpunkt Digitalmarketing | 3 Jahre | Lehrabschlussprüfung | Jugendliche nach der Pflichtschule; Erwachsene mit Praxis über die außerordentliche Zulassung |
| Diplomlehrgang an einem Bildungsinstitut | 100 bis 144 Unterrichtseinheiten, meist berufsbegleitend | Zeugnis des Anbieters | Umsteiger aus Marketing, Verkauf, Journalismus oder Grafik |
| Studium in Kommunikation, Medien oder Marketing | Bachelor in der Regel 6 Semester | akademischer Grad | wer in Richtung Strategie und Leitung will |
| Personenzertifizierung | 30 Minuten Prüfung | Zertifikat, 3 Jahre gültig | wer Erfahrung schon hat und sie belegen will |
Die Lehre ist der jüngste Weg. Die Medienfachkraft-Ausbildungsordnung gilt seit 1. Juli 2025 und hat den früheren Lehrberuf Medienfachmann bzw. Medienfachfrau mit Schwerpunkt Online-Marketing ersetzt. Im Schwerpunkt Digitalmarketing plant und betreut die Medienfachkraft laut Berufsprofil Social-Media-Auftritte, schaltet Werbung und entwickelt die Strategie weiter. Wer älter als 18 ist und die Fähigkeiten auf anderem Weg erworben hat, etwa durch Praxis oder Kurse, kann nach § 23 Abs. 5 Berufsausbildungsgesetz auch ohne Lehrvertrag zur Lehrabschlussprüfung zugelassen werden.
Die Lehrgänge sind der häufigste Weg für Umsteiger. Das AMS nennt als Beispiele Diplomlehrgänge mit 100, 112 und 144 Unterrichtseinheiten. Vergleichen Sie vor der Anmeldung, wie viele Einheiten auf Anzeigen, Auswertung und Recht entfallen. Beiträge gestalten lernt man auch nebenbei, Kampagnen steuern kaum.
Die Zertifizierung von Austrian Standards erfolgt nach der Norm ISO/IEC 17024. Voraussetzung sind 40 Stunden einschlägige Weiterbildung oder zwei Jahre Berufserfahrung. Geprüft wird mit einer 20-minütigen Präsentation und einer 10-minütigen mündlichen Prüfung. Die Erstzertifizierung kostet 490 Euro netto, nach drei Jahren verlängern 24 Stunden Weiterbildung, eine Tätigkeitsbeschreibung und 289 Euro das Zertifikat. Für die Bewerbung bringt es einen Nachweis, ersetzt aber nicht die Mappe mit betreuten Kanälen, Zahlen und Beispielen.
Das Gehalt laut Kollektivvertrag
Der Kollektivvertrag Werbung und Marktkommunikation Wien kennt keine eigene Gruppe für Social Media. Eingestuft wird nach Tätigkeitsmerkmalen. Verwendungsgruppe 3 umfasst Angestellte, die nach allgemeinen Richtlinien selbstständig arbeiten. Verwendungsgruppe 4 umfasst schwierige Arbeiten, die selbstständig verantwortlich ausgeführt werden und besondere Fachkenntnisse und Erfahrung verlangen, und nennt als Beispiele Werbetexter und Werbegrafiker. Eine Social-Media-Managerin, die Kanäle eigenständig führt, gehört nach diesen Merkmalen in der Regel in Gruppe 4. Wer dauerhaft mehr als fünf Angestellte führt, kann in Gruppe 5 kommen.
| Verwendungsgruppenjahre | Gruppe 3 pro Monat | Gruppe 3 pro Jahr | Gruppe 4 pro Monat | Gruppe 4 pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| 1. und 2. Jahr | 2.386,20 € | 33.406,80 € | 2.844,20 € | 39.818,80 € |
| nach 2 Jahren | 2.543,40 € | 35.607,60 € | 3.026,40 € | 42.369,60 € |
| nach 4 Jahren | 2.715,30 € | 38.014,20 € | 3.229,30 € | 45.210,20 € |
| nach 6 Jahren | 2.881,00 € | 40.334,00 € | 3.423,50 € | 47.929,00 € |
| nach 10 Jahren | 3.243,20 € | 45.404,80 € | 3.869,00 € | 54.166,00 € |
Die Jahreswerte sind 14 Monatsgehälter, denn § 11 des Kollektivvertrags sieht ein 13. und 14. Gehalt vor. Gerechnet auf die Normalarbeitszeit von 38,5 Wochenstunden ergibt das Einstiegsgehalt in Gruppe 4 rund 17 Euro pro Stunde. Der Kollektivvertrag rechnet Mehrarbeit mit dem Teiler 167. Das AMS nennt für den Beruf ein Einstiegsgehalt von 2.320 bis 2.810 Euro brutto, Stand 2025, gestützt auf die typischerweise anwendbaren Kollektivverträge. Was davon netto bleibt, lässt sich unter https://finrechner.at/gehalt/brutto-netto-rechner/ nachrechnen.
Ein wichtiger Haken: Diesen Kollektivvertrag führt die Wirtschaftskammer nur für Wien. Wer in einem Handelsbetrieb, einem Hotel oder einem Industrieunternehmen Social Media macht, fällt unter den Kollektivvertrag dieser Branche, mit anderen Gruppen und Beträgen. Welcher gilt, muss im Dienstzettel stehen, so verlangt es § 2 Abs. 2 Z 12 Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz. Und jede Stellenanzeige muss das Mindestentgelt nennen, wie im Beitrag zu Social Media Recruiting beschrieben. Liegt das Angebot genau auf dem Mindestentgelt, lohnt sich die Frage nach einer Überzahlung.
Wochenendarbeit: was der Kollektivvertrag ausdrücklich erlaubt
Ein Shitstorm hält sich nicht an Bürozeiten. Der Wiener Kollektivvertrag trägt dem Rechnung: In § 5 Abs. 3 nennt er Social-Media-Management ausdrücklich unter den Tätigkeiten, für die Ausnahmen von der Wochenend- und Feiertagsruhe gelten, gemeinsam mit Krisenkommunikation und Wahlkampagnen. Die Bedingungen sind klar geregelt:
- Wochenendarbeit darf höchstens zweimal pro Monat und Person angeordnet werden.
- Abgegolten werden mindestens drei Stunden, auch wenn der Einsatz kürzer war.
- Seit 1. Mai 2026 gibt es am Samstag ab 13 Uhr 50 Prozent Zuschlag, am Samstag ab 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen 100 Prozent.
- Der 24. und der 31. Dezember gelten als Feiertage.
Die zwanzig Minuten Moderation am Sonntagabend sind also kein Gefallen, sondern bezahlte Arbeitszeit. Klären Sie im Bewerbungsgespräch, wie Bereitschaft und Wochenenddienste geregelt sind. Wo das niemand beantworten kann, gibt es meist auch keine Regelung.
Angestellt oder selbstständig
Wer überlegt, auf eigene Rechnung zu arbeiten, sollte dem ersten Vergleich nicht trauen. Agenturen verrechnen laut der Übersicht, was eine Social-Media-Agentur in Österreich kostet, Stundensätze zwischen 75 und 180 Euro. Gegen 17 Euro Grundlohn im Kollektivvertrag sieht das nach einem Vielfachen aus. Selbstständige zahlen davon aber Sozialversicherung, Urlaub, Krankenstand, Ausstattung und alle Stunden, die sie für Angebote und Buchhaltung brauchen und niemandem verrechnen können. Wer den Schritt plant, klärt Gewerbe und Sozialversicherung vorab beim Gründerservice der Wirtschaftskammer.
Häufige Fragen zum Beruf
Wie viel verdient ein Social Media Manager in Österreich?
In einer Wiener Werbeagentur mindestens 2.386,20 Euro brutto im Monat für einfachere Aufgaben und 2.844,20 Euro bei eigenständiger Verantwortung, jeweils 14-mal im Jahr. Mit den Berufsjahren steigt das Mindestgehalt, in Gruppe 4 nach zehn Jahren auf 3.869 Euro. In anderen Branchen gilt deren Kollektivvertrag.
Braucht man eine Ausbildung, um als Social Media Manager zu arbeiten?
Vorgeschrieben ist keine. Arbeitgeber erwarten aber Nachweise, entweder durch eine Lehre, einen Lehrgang, ein Studium oder durch Arbeitsproben mit nachvollziehbaren Ergebnissen.
Kann man Social Media Manager als Lehre lernen?
Ja, als Medienfachkraft mit Schwerpunkt Digitalmarketing. Die Lehre dauert drei Jahre. Erwachsene ab 18 mit einschlägiger Praxis können die Lehrabschlussprüfung auch außerordentlich ablegen.
Wie lange dauert ein Lehrgang zum Social Media Manager?
Die Lehrgänge, die das AMS als Beispiele anführt, umfassen 100 bis 144 Unterrichtseinheiten. Berufsbegleitend verteilt sich das meist auf mehrere Monate.
Was bringt die Zertifizierung von Austrian Standards?
Einen unabhängigen Nachweis nach ISO/IEC 17024, der drei Jahre gilt. Sie kostet 490 Euro netto und setzt 40 Stunden Weiterbildung oder zwei Jahre Praxis voraus. Sinnvoll ist sie vor allem für Selbstständige, die ihre Qualifikation gegenüber Kunden belegen wollen.
Muss ein Social Media Manager am Wochenende arbeiten?
Nur in Ausnahmefällen. Im Wiener Werbe-Kollektivvertrag höchstens zweimal im Monat, mit mindestens drei abgegoltenen Stunden und Zuschlägen von 50 bis 100 Prozent. Beiträge vorab einzuplanen, gehört zum Handwerk und verhindert die meisten Wochenendeinsätze.