Social Media Recruiting in Österreich

Metallfacharbeiter sieht in der Pause in der Werkstatt auf sein Smartphone

Ein Stelleninserat auf karriere.at kostet ab 949 Euro und erreicht Menschen, die gerade einen Job suchen. Eine Recruiting-Kampagne auf Instagram kostet ähnlich viel und erreicht Menschen, die keinen suchen. Welcher der beiden Wege der günstigere ist, entscheidet sich nicht am Preis, sondern an einer einzigen Zahl: wie viele Bewerbungen am Ende ankommen.

Der Unterschied liegt nicht im Kanal, sondern in der Absicht

Im zweiten Quartal 2026 gab es in Österreich 123.400 offene Stellen bei einer Offene-Stellen-Quote von 2,9 Prozent. Die Zahl ist gegenüber dem Vorquartal gesunken, das Grundproblem bleibt: In Pflege, Handwerk, Gastronomie und Produktion kommen auf viele Ausschreibungen kaum aktive Bewerber.

Genau dort liegt der Sinn von Social Recruiting. Eine Jobbörse erreicht den aktiven Suchenden, der Filter setzt und Inserate durchgeht. Eine Anzeige im Instagram-Feed erreicht die Pflegefachkraft, die zufrieden genug ist, um nicht zu suchen, aber unzufrieden genug, um hinzusehen. Diese Gruppe ist in Mangelberufen um ein Vielfaches größer als die der aktiv Suchenden – und sie ist über kein Jobportal der Welt erreichbar.

Der Preis dafür: Sie unterbrechen jemanden, der nicht gefragt hat. Die Anzeige muss in zwei Sekunden klarmachen, worum es geht, und der Weg zur Bewerbung muss extrem kurz sein. Ein Klick auf ein PDF-Formular, das nach Lebenslauf und Motivationsschreiben verlangt, verliert diese Zielgruppe vollständig.

Was ein Inserat kostet und was eine Kampagne kostet

Die österreichischen Jobbörsen legen ihre Preise offen. Alle Beträge netto, Stand August 2026.

Produkt
Preis
Laufzeit
karriere.at Standard
ab 949 €
30 Tage
karriere.at Pro
ab 1.199 €
60 Tage
karriere.at Boost
ab 1.599 €
60 Tage
karriere.at Lehr- und Praktikumsstelle
ab 229 €
60 Tage

Eine Social-Recruiting-Kampagne rechnet anders. Sie zahlen Mediabudget an Meta, TikTok oder LinkedIn, dazu die Betreuung. TalentBait beziffert auf Basis von 5.247 Kampagnen im DACH-Raum zwischen 2023 und 2025 das übliche Mediabudget für 30 Tage mit 600 bis 1.500 Euro im Handwerk, 800 bis 2.000 Euro in der Pflege und 1.200 bis 3.500 Euro in der IT. Für die Betreuung verlangen Agenturen 15 bis 20 Prozent des Mediabudgets oder eine Pauschale ab etwa 800 Euro im Monat – dieselben Sätze wie bei der regulären Social-Media-Betreuung.

Rechnen Sie in Kosten pro Bewerbung, nicht in Kosten pro Anzeige

Erst diese Umrechnung macht die beiden Wege vergleichbar. Nehmen wir ein Standardinserat um 949 Euro:

  • 12 Bewerbungen ergeben 79 Euro pro Bewerbung. Unschlagbar günstig.
  • 5 Bewerbungen ergeben 190 Euro. Immer noch in Ordnung.
  • 2 Bewerbungen ergeben 475 Euro – und keine davon passt zwingend.

Auf der anderen Seite: 1.000 Euro Mediabudget bei 60 Euro pro Bewerbung ergeben rund 17 Bewerbungen. Rechnet man 800 Euro Betreuung dazu, landet man bei 1.800 Euro für 17 Bewerbungen, also 106 Euro je Stück. Gegen ein gut laufendes Inserat verliert diese Rechnung deutlich.

Daraus folgt eine unbequeme, aber klare Empfehlung: Für eine gefragte Stelle ist das Inserat das Beste, was Sie kaufen können. Buchhaltung, Bürokraft, Vertriebsinnendienst – schalten Sie das Inserat und sparen Sie sich die Kampagne. Social Recruiting rechnet sich erst dort, wo das Inserat leer ausgeht: bei Stellen, die seit Monaten offen sind, in Schichtberufen, in ländlichen Regionen und überall dort, wo die passenden Leute bereits einen Job haben.

Prüfen Sie deshalb zuerst die eigene Historie. Wie viele Bewerbungen hat das letzte Inserat für dieselbe Stelle gebracht? Diese Zahl entscheidet, nicht das Verkaufsgespräch der Agentur.

Welcher Kanal welche Zielgruppe erreicht

Die Kosten pro Bewerbung unterscheiden sich je nach Plattform um den Faktor sieben. Die folgenden Spannen stammen aus derselben TalentBait-Auswertung und gelten für 30-Tage-Kampagnen.

Kanal
Kosten je Bewerbung
Passt für
TikTok
25-70 €
unter 25, Lehrstellen, Gastronomie, Handel
Facebook und Instagram
30-80 €
25 bis 50, Handwerk, Pflege, Produktion
YouTube
40-100 €
erklärungsbedürftige Berufe, Arbeitgebervorstellung
Google Search
50-120 €
aktiv Suchende, ergänzend zum Feed
LinkedIn
60-150 €
Führung, IT, Vertrieb, B2B-Fachrollen

Facebook wird in Österreich beim Recruiting regelmäßig unterschätzt, weil die Plattform als Kanal der Älteren gilt. Genau das ist beim Recruiting ein Vorteil: Wer eine Fachkraft mit zehn Jahren Berufserfahrung sucht, findet sie dort und nicht auf TikTok. Umgekehrt ist bei Lehrstellen ein karriere.at-Inserat um 229 Euro so günstig, dass eine Kampagne kaum dagegen ankommt – das Geld ist dann in einem guten Video besser angelegt als in Reichweite.

Die Mindestentgeltangabe gilt auch für die Instagram-Story

Dieser Punkt fehlt in fast jeder Anleitung zum Thema, und er kostet Geld. Seit 1. März 2011 muss in Österreich jede Stellenausschreibung das geltende kollektivvertragliche oder gesetzliche Mindestentgelt nennen, samt Hinweis auf die Bereitschaft zur Überzahlung. Geregelt ist das in § 9 Abs. 2 Gleichbehandlungsgesetz.

Entscheidend ist der Geltungsbereich. Die WKO stellt klar, dass die Pflicht für interne wie externe Veröffentlichungen gilt, ausdrücklich auch im Internet. Ein Reel, eine Story, ein LinkedIn-Beitrag oder eine Meta-Anzeige sind damit genauso erfasst wie das Inserat in der Zeitung. Anzugeben sind der Betrag in Euro, die Zeiteinheit und der Hinweis auf Überzahlung – Sonderzahlungen bleiben außen vor.

Dazu kommt § 9 Abs. 1: Eine Stelle darf nicht nur für Männer oder nur für Frauen ausgeschrieben werden. „Wir suchen einen Monteur“ ohne geschlechtsneutrale Ergänzung reicht bereits für eine Beanstandung.

Die Folgen sind überschaubar, aber unangenehm. Beim ersten Verstoß gibt es eine Verwarnung, bei weiteren eine Verwaltungsstrafe bis 360 Euro pro Fall. Anzeige erstatten können Stellenbewerber selbst und die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Das eigentliche Risiko ist ein anderes: Wer die Angabe weglässt, verliert genau die Kandidaten, die im Feed in zwei Sekunden entscheiden – denn die häufigste Frage unter jeder Recruiting-Anzeige ist die nach dem Gehalt.

Praktisch heißt das: Das Mindestentgelt gehört in den Text der Anzeige, nicht nur auf die verlinkte Landingpage. Bei einem Video gehört es in die Bildunterschrift, weil das Video selbst überspult wird.

Was vor der ersten Anzeige stehen muss

Kampagnen scheitern in Österreich selten am Budget und fast immer an dem, was nach dem Klick passiert.

  1. Ein Bewerbungsweg unter zwei Minuten. Name, Telefonnummer, Beruf, fertig. Lebenslauf und Zeugnisse fragen Sie im zweiten Schritt ab, nicht im ersten.
  2. Eine Antwort binnen 24 Stunden. Wer sich abends um elf über das Handy bewirbt, hat bis Freitag drei andere Angebote. Wenn im Betrieb niemand so schnell reagieren kann, ist die Kampagne verlorenes Geld.
  3. Echte Bilder aus dem Betrieb. Stockfotos fallen in Recruiting-Anzeigen sofort auf. Am besten funktionieren Aufnahmen von Mitarbeitern, die selbst erzählen – dieselbe Mechanik, die auch Employee Advocacy trägt.
  4. Das Mindestentgelt und der Dienstort im Anzeigentext. Beides sind Filterkriterien. Wer sie verschweigt, kauft Klicks von Leuten, die sich ohnehin nicht bewerben.
  5. Eine Laufzeit von mindestens vier Wochen. Die Algorithmen brauchen Daten, bevor sie sinnvoll ausspielen. Kampagnen, die nach zehn Tagen abgedreht werden, liefern nie ein belastbares Ergebnis.

Wann Social Recruiting nicht funktioniert

Es gibt drei Fälle, in denen auch die beste Kampagne nichts bringt. Erstens: Wenn das Gehalt deutlich unter dem Marktniveau liegt. Reichweite macht ein schlechtes Angebot nur sichtbarer. Zweitens: Wenn die Stelle sehr speziell ist und österreichweit vielleicht 200 Menschen dafür infrage kommen – dort ist Direktansprache über LinkedIn oder ein Personalberater der bessere Weg. Drittens: Wenn intern niemand die Bewerbungen abarbeitet. Eine Kampagne, die 40 Bewerbungen bringt, von denen 30 unbeantwortet bleiben, beschädigt den Ruf als Arbeitgeber nachhaltiger, als die offene Stelle je gekostet hätte.

Wer eine Agentur dafür sucht, findet die passenden Anbieter regional – in Wien, in Niederösterreich und in der Steiermark arbeiten die meisten Spezialisten für Recruiting-Kampagnen.

Häufige Fragen zum Social Recruiting

Was kostet eine Recruiting-Kampagne in Österreich?

Für 30 Tage rechnen Sie mit 600 bis 1.500 Euro Mediabudget im Handwerk, 800 bis 2.000 Euro in der Pflege und 1.200 bis 3.500 Euro in der IT. Dazu kommen 15 bis 20 Prozent Betreuungshonorar oder eine Pauschale ab etwa 800 Euro.

Wie viele Bewerbungen bringt eine Kampagne?

Bei 1.000 Euro Mediabudget und 60 Euro pro Bewerbung sind rund 17 Bewerbungen realistisch. Wie viele davon fachlich passen, hängt vom Beruf ab – im Handwerk deutlich mehr als in der IT.

Muss ich das Gehalt in einer Social-Media-Stellenanzeige angeben?

Ja. § 9 Abs. 2 Gleichbehandlungsgesetz verlangt die Angabe des kollektivvertraglichen Mindestentgelts in jeder Stellenausschreibung, auch im Internet und damit auch in einem Instagram- oder LinkedIn-Beitrag. Beim ersten Verstoß folgt eine Verwarnung, danach bis zu 360 Euro Strafe.

Welche Plattform eignet sich für Lehrlinge?

TikTok und Instagram, mit 25 bis 80 Euro pro Bewerbung. Wobei ein Lehrstellen-Inserat auf karriere.at ab 229 Euro so günstig ist, dass sich der Vergleich oft schon nach drei Bewerbungen zugunsten des Inserats dreht.

Braucht es dafür eine eigene Karriereseite?

Eine schlanke Landingpage pro Stelle genügt und funktioniert besser als eine allgemeine Karriereseite. Wichtig ist nur, dass das Formular kurz ist und am Handy ohne Zoomen bedienbar bleibt.

Wie lange dauert es, bis Bewerbungen kommen?

Die ersten meist in den ersten 48 Stunden, danach flacht es ab und zieht in der zweiten Woche wieder an, sobald die Ausspielung optimiert ist. Vier Wochen Laufzeit sind das Minimum für eine belastbare Aussage.

lars

Lars Rainer

Als Social‑Media‑Experte mit jahrelanger Agenturerfahrung teilt er auf unserem Blog praxisnahe Tipps und inspirierende Insights aus der Welt der sozialen Medien.