Social-Media-Redaktionsplan für 2027: Aufbau, Rhythmus und Vorlage

Bäckerin plant an einer Pinnwand mit Gebäckfotos und Notizzetteln die Beiträge der nächsten Wochen

Ostern fällt 2027 auf den 28. März, acht Tage früher als 2026 und so früh wie seit 2016 nicht mehr. Die Osterferien beginnen schon am Samstag, 20. März. Wer die Osteraktion aus Gewohnheit für Anfang April einplant, postet sie in eine Woche, in der die Feiertage bereits vorbei sind.

Im Mai wird es noch enger. Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 6. Mai, ergibt mit dem Fenstertag ein langes Wochenende, und an dessen Ende steht am 9. Mai der Muttertag. Eine Muttertagskampagne muss also Ende April fertig sein, nicht in der Woche davor, in der viele frei haben. Ein Redaktionsplan für 2027 beginnt deshalb mit dem Kalender. Die Beitragsideen kommen danach.

Die Fixpunkte 2027 in Österreich

Feiertage, Schulferien und Handelstermine stehen ein Jahr im Voraus fest. Die Ferientermine stammen aus dem Ferienkalender 2026/2027 auf oesterreich.gv.at, die Herbstferien legt § 2 Schulzeitgesetz fix mit 27. bis 31. Oktober fest. Die Landesfeiertage wie St. Josef, St. Florian oder St. Leopold stehen gesammelt unter https://feiertageinfo.at/2027/.

DatumAnlassWas das für den Plan heißt
1. bis 20. FebruarSemesterferien in drei Wellen: Wien und Niederösterreich ab 1. Februar, Burgenland und Kärnten ab 8. Februar, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg ab 15. FebruarFerienangebote brauchen drei Starttermine. Fünf Länder haben 2027 in derselben Woche frei.
9. FebruarFaschingsdienstag, am 10. Februar beginnt die FastenzeitDer Faschingsdienstag fällt 2027 in die Semesterferien von Burgenland und Kärnten.
20. bis 29. MärzOsterferien, Ostersonntag am 28. MärzOsterbeiträge ab Anfang März, Fotos und Videos im Februar produzieren.
6. und 7. MaiChristi Himmelfahrt und FenstertagBeiträge vorplanen, Antworten auf Kommentare für das lange Wochenende einteilen.
9. MaiMuttertagKampagne bis 30. April freigeben.
15. bis 17. Mai, 27. MaiPfingstferien, Fronleichnam am DonnerstagMit Christi Himmelfahrt drei lange Wochenenden innerhalb von vier Wochen.
13. JuniVatertagLiegt gut zwei Wochen nach Fronleichnam, das Zeitfenster ist kurz.
3. bzw. 10. JuliSommerferien in Burgenland, Niederösterreich und Wien bzw. in den übrigen sechs LändernUrlaubsvertretung als eigene Zeile in den Plan schreiben.
25. Oktober bis 1. NovemberZwickeltag, Nationalfeiertag am Dienstag, Herbstferien, Allerheiligen am MontagFür viele Familien eine ganze freie Woche. Ausflugs- und Freizeitthemen passen, Kampagnen mit Anfragen eher nicht.
26. und 28. NovemberBlack Friday, zwei Tage später der erste AdventsonntagZwei Höhepunkte an einem Wochenende. Rabattaktion und Adventstart getrennt planen.
8. DezemberMariä Empfängnis, ein MittwochGeschäfte dürfen öffnen, weil der Tag auf einen Werktag fällt. Ein Einkaufstag mitten in der Woche.

Die Sache mit dem 8. Dezember regelt § 13a Arbeitsruhegesetz: Beschäftigung in Verkaufsstellen ist zulässig, wenn der Feiertag auf einen Werktag fällt. 2026 war das ein Dienstag, 2027 ist es ein Mittwoch. Für den Handel gehört der Tag in den Plan wie ein Einkaufssamstag.

Aktionstage vom Typ Tag des Kaffees füllen Redaktionspläne mit Beiträgen, die keiner Ihrer Kunden vermisst hätte. Ein solcher Tag lohnt sich nur, wenn er zu Ihrem Geschäft passt und Sie etwas Eigenes dazu zu sagen haben.

Drei Ebenen statt einer endlosen Liste

Ein Redaktionsplan, der jeden Beitrag des Jahres einzeln enthält, ist im März überholt. Besser funktioniert eine Gliederung in drei Ebenen, die unterschiedlich weit nach vorn schauen.

  1. Jahresplan, eine Seite: die Fixpunkte aus der Tabelle oben, dazu vier bis sechs eigene Schwerpunkte. Bei einem Installateur etwa Heizungstausch im Herbst, Lehrlingssuche im Frühjahr, Klimageräte vor dem Sommer.
  2. Monatsplan: ein Thema pro Woche und die Verteilung auf die Kanäle. Hier wird entschieden, was im April auf LinkedIn und was auf Instagram läuft.
  3. Detailplan für zwei bis vier Wochen: jeder Beitrag mit Text, Material, Freigabe und Termin. Weiter im Voraus lohnt sich die Detailarbeit selten, weil sich Angebote, Wetter und Anlässe verschieben.

Lassen Sie im Detailplan etwa jeden fünften Platz offen. Dorthin kommt, was kurzfristig passiert, das neue Produkt, der Zeitungsbericht, der Wintereinbruch. Ein Plan ohne Lücken zwingt Sie, das Aktuelle wegzulassen oder das Geplante zu verschieben, und beides geht zulasten der Regelmäßigkeit.

Die Vorlage: elf Spalten und ein ausgefülltes Beispiel

Jede Zeile ist ein Beitrag, jede Spalte beantwortet eine Frage, die sonst kurz vor der Veröffentlichung auftaucht. Das Beispiel stammt aus dem Plan einer Bäckerei für den Faschingsdienstag.

SpalteWas hineingehörtBeispiel
Datum und Uhrzeitgeplanter VeröffentlichungsterminMo, 8. Februar 2027, 7:00
Kanal und FormatPlattform plus Format, also Beitrag, Kurzvideo, Story oder KarussellInstagram, Kurzvideo mit 30 Sekunden
Themaworum es geht, mit Zuordnung zu einem SchwerpunktKrapfenfüllen in der Backstube, Schwerpunkt Handwerk
Zieleines pro Beitrag: Reichweite, Anfrage, Bestellung oder BewerbungVorbestellungen für den Faschingsdienstag
Text und AufforderungBeitragstext und der eine Schritt, den Leser tun sollen„Bis heute 18 Uhr vorbestellen, morgen ab 6 Uhr abholen.“
MaterialDatei, Ablageort und wer sie erstellt hateigenes Video vom 3. Februar, Ordner Fasching
RechteEinwilligung abgebildeter Personen, Herkunft von Musik und fremdem MaterialEinwilligung der Bäckerin liegt schriftlich vor, Musik lizenzfrei
Kennzeichnungnötig, sobald für die Veröffentlichung ein Entgelt fließtentfällt, eigener Beitrag
Verantwortlich und Freigabewer schreibt, wer freigibt, bis wannVerkauf schreibt, Inhaberin gibt bis 5. Februar frei
StatusIdee, in Arbeit, freigegeben, eingeplant, veröffentlichteingeplant
Ergebnis nach sieben Tagendie eine Zahl, die zum Ziel passt31 Vorbestellungen

Zwei Spalten fehlen in den meisten Vorlagen, und gerade sie verhindern Ärger. Die Spalte Rechte beruht auf dem Bildnisschutz nach § 78 Urheberrechtsgesetz: Fotos von Personen dürfen nicht veröffentlicht werden, wenn dadurch berechtigte Interessen der Abgebildeten verletzt werden. Ob das der Fall ist, lässt sich vorab schwer sagen. Mit einer schriftlichen Einwilligung von Mitarbeitenden und Kunden stellt sich die Frage gar nicht erst.

Die Spalte Kennzeichnung betrifft Beiträge, für die jemand bezahlt wird oder etwas bekommt. § 26 Mediengesetz verlangt dann die Bezeichnung „Anzeige“, „entgeltliche Einschaltung“ oder „Werbung“. Bei Kooperationen mit Creatorn kann auch das beauftragende Unternehmen belangt werden, wie im Beitrag zum Influencer-Marketing in Österreich erklärt. Und steht im Plan eine Stellenausschreibung, gehört das kollektivvertragliche Mindestentgelt in den Text, auch in der Story. Die Details stehen bei Social Media Recruiting.

Wie oft posten? Rechnen Sie den Rhythmus in Stunden um

Eine allgemein richtige Frequenz gibt es nicht. Was sich sehr wohl sagen lässt: was eine Frequenz kostet. Die folgende Rechnung arbeitet mit Annahmen für ein kleines Team ohne Agentur. Messen Sie vier Wochen lang Ihre eigenen Zeiten und setzen Sie diese ein, die Logik bleibt dieselbe.

  • Bildbeitrag aus vorhandenem Material, mit Auswahl, Bearbeitung, Text und Freigabe: 45 Minuten
  • Kurzvideo mit eigenem Dreh, Schnitt und Untertiteln: 3 Stunden
  • Story-Serie aus drei bis fünf Bildern: 20 Minuten
  • Kommentare und Nachrichten beantworten: 10 bis 20 Minuten pro Arbeitstag, bei 21 Arbeitstagen im Monat
  • Planung und Auswertung: 1,5 bis 3 Stunden im Monat
Pro MonatPräsent bleibenRegelmäßigWachsen
Bildbeiträge4 (3 h)8 (6 h)12 (9 h)
Kurzvideos1 (3 h)2 (6 h)4 (12 h)
Story-Serien8 (2,7 h)12 (4 h)20 (6,7 h)
Community10 min/Tag (3,5 h)15 min/Tag (5,3 h)20 min/Tag (7 h)
Planung und Auswertung1,5 h3 h3 h
Summerund 14 hrund 24 hrund 38 h
Anteil einer Vollzeitstelle8 %15 %23 %
zu 110 € je Stunderund 1.500 €rund 2.670 €rund 4.140 €

Die Vollzeitstelle ist mit 38,5 Wochenstunden gerechnet, also rund 167 Stunden im Monat. Die 110 Euro sind der Stundensatz, mit dem auch die Kostenrechnung für Social-Media-Agenturen arbeitet. Die drei Summen entsprechen grob den drei Paketstufen, in die österreichische Agenturen ihre Angebote schneiden.

Zwei Dinge fallen auf. Der Sprung von der mittleren zur rechten Spalte kommt vor allem aus den Videos: Vier Kurzvideos im Monat sind fast ein Drittel des gesamten Aufwands. Und die Community-Betreuung fällt jeden Arbeitstag an, auch in Wochen ohne einen einzigen Beitrag. Wählen Sie den Rhythmus, den Sie zwölf Monate lang halten, nicht den, der im Jänner gut aussieht. Ein Plan, der nach den Semesterferien einschläft, bringt weniger als ein kleinerer, der bis Dezember durchhält.

Wer was macht, bevor ein Beitrag online geht

In kleinen Betrieben scheitert der Redaktionsplan oft nicht an Ideen, sondern an der Freigabe. Der Text liegt fertig im Ordner, die Chefin kommt nicht zum Lesen, der Termin verstreicht. Drei Festlegungen helfen dagegen:

  • Ein fixer Freigabetag pro Woche, etwa der Donnerstag für alle Beiträge der Folgewoche.
  • Eine Frist mit Folge: Was bis dahin nicht beanstandet ist, geht raus. Ausgenommen sind Preise, Aktionen und alles mit Personen.
  • Eine Vertretung für Urlaub und Krankenstand, die Zugang zu allen Konten hat. Ein Profil, auf das nur eine Person zugreifen kann, ist ein Risiko, kein Detail.

Wer Beiträge über die Profile von Mitarbeitenden verbreiten will, plant diese Freigabe mit. Wie das ohne Zwang funktioniert, steht im Beitrag über Mitarbeiter als Markenbotschafter.

Häufige Fragen zum Redaktionsplan

Wie weit im Voraus sollte der Redaktionsplan stehen?

Der Jahresplan mit Fixpunkten und Schwerpunkten im Herbst für das Folgejahr, der Detailplan zwei bis vier Wochen im Voraus. Kampagnen zu festen Terminen wie Ostern oder Muttertag sollten sechs bis acht Wochen vorher stehen, damit Zeit für Fotos und Videos bleibt.

Reicht eine Tabellenkalkulation oder braucht es ein Planungsprogramm?

Für eine bis drei Personen reicht die Tabelle, die meisten Plattformen bieten zudem eine eigene Funktion, um Beiträge im Voraus einzuplanen. Ein eigenes Programm lohnt sich, wenn mehrere Personen freigeben, viele Kanäle bespielt werden oder eine Agentur mitarbeitet.

Wie viele Beiträge pro Woche braucht ein kleines Unternehmen?

Einen pro Woche, dauerhaft durchgehalten, plus Stories nach Anlass. Das sind nach der Rechnung oben rund 14 Stunden im Monat. Mehr ist sinnvoll, wenn die Zeit dafür sicher vorhanden ist und nicht nur im ersten Quartal.

Kann derselbe Beitrag auf allen Kanälen laufen?

Das Material ja, der Beitrag selten. Ein Video aus der Backstube funktioniert auf Instagram als Kurzvideo und auf LinkedIn als Beitrag über die Lehrlingsausbildung. Planen Sie pro Kanal eine eigene Zeile mit eigenem Text.

Brauche ich eine Einwilligung, wenn Mitarbeitende im Video zu sehen sind?

Holen Sie sie ein, und zwar schriftlich. Der Bildnisschutz nach § 78 Urheberrechtsgesetz greift, sobald berechtigte Interessen verletzt sein könnten, und das hängt vom Einzelfall ab. Eine Einwilligung schafft Klarheit für beide Seiten.

Gehören Feiertage, die nur in einem Bundesland gelten, in den Plan?

Nur, wenn Ihre Kunden vor allem aus diesem Land kommen. Landesfeiertage wie St. Florian am 4. Mai in Oberösterreich oder St. Leopold am 15. November in Wien und Niederösterreich stehen nicht in der Liste des § 7 Arbeitsruhegesetz, für die meisten Beschäftigten sind es also normale Arbeitstage. Für einen Betrieb mit Kunden in ganz Österreich sind sie Nebensache.

Martin Höllinger, Herausgeber von social.at

Martin Höllinger

Herausgeber von social.at und Geschäftsführer der Mad Dog Media GmbH in Leibnitz. Er betreibt eigene Fachportale und schreibt hier über Kosten, Recht und Praxis des Social-Media-Marketings in Österreich.