Female Leadership - Im Gespräch mit Paula Kirnbauer

1. Erzähl uns von deiner Firma, deinem Projekt und deiner Vision davon?

Ich hab mitten im 1. Lockdown, im Mai 2020, meine Selbstständigkeit als Grafik Designerin begonnen. Das war ein schöner Start, weil ich sehr viel Ruhe, Fokus und Zeit für mich hatte um alles durchzudenken, nicht abgelenkt durch mögliche Aktivitäten weil man ja jetzt „frei hat“ 😅.

Die Hauptaufgabe meiner Tätigkeit ist Grafik Design — meistens für EPUs & KMUs. Ich würde mich aber nicht als den typischen Freelance Grafiker bezeichnen; was ich mache ist eher vergleichbar mit dem typischen Agenturmodell, nur leistbarer.

Gerade jetzt ist es extrem wichtig, ein gutes Erscheinungsbild nach außen zu haben und online eine ordentliche Präsenz darzulegen. Auch kleine Firmen und Startups sollen es sich leisten können, ein tolles Corporate Design, Logo, Packaging Design und eine saubere, ansprechende Website zu haben. Erscheinungsbilder auf die sie mit Freude und Stolz blicken können und noch wichtiger: die funktionieren. Durch meine Ausbildung an der Werbe-Design-Akademie und vorallem aber durch meine Erfahrung, die ich in fast 5 Jahren Agentur Salić sammeln durfte, kann ich mich glücklich schätzen sehr viel Leistung in verschiedenen Bereichen abdecken zu können. Man bekommt bei mir also sehr viel aus einer Hand. Logo & Corporate Design, Verpackungsdesign, Social Media Setup, kleine Kampagnen (Multi-Channel), Website Design.

2. Gab es große Hürden beim Gründen? Was waren Stolpersteine - wie bist du gut durch diese Phase gekommen?

Eigentlich gab es wenig, fast keine. Ich hab das Glück, dass ich noch recht jung bin und sehr wenig Fixkosten und laufende Ausgaben habe. Daher konnte ich meine Firma bestimmt stressfreier starten als jemand, der schon ein Haus gebaut, zwei Kinder und drei Autos daheim hat. „Stolperstein“ vorm Gründen: Steuern und Sozialversicherung verstehen ;-). 

3. Gab es jemals Selbstzweifel, wo holst du dir Support und Feedback? Wer ist dein schärfster Kritiker?

Natürlich gab und gibt es Selbstzweifel, wobei ich glaube, die größten Selbstzweifel in meinen Anfangsjahren in der Agentur hatte. Die Vorstellung, Verantwortung zu übernehmen hat in mir damals wirklich viel Angst ausgelöst, ist aber mit der Erfahrung und dem Wachsen in meiner Tätigkeit immer weniger geworden. Ich bin immer noch sehr kritisch mit meinen Arbeiten und habe auch Selbstzweifel, mal mehr, mal weniger. Ich denke, man darf das auch ruhig hinnehmen, das geht den besten so und ist ganz normal. Kritisch sein sorgt auch dafür, dass man immer besser wird. Wer glaubt, jetzt der Beste zu sein, der bleibst stehen, denke ich. Jeder kann immer was lernen, auch der Agenturchef vom Praktikanten. Support, Feedback und auch Kritik hole ich mir sehr gern von meinem Lebenspartner, dem Mike. Er ist selbst Geschäftsführer und hat viele Probleme, die sich bei mir auftun, schon 1000 mal durchgemacht. Er ist ein scharfer Denker und kann extrem schnell beurteilen, was funktioniert und was nicht — das ist sehr schön, wenn man diesen Austausch mal wieder braucht und den 10. Design-Entwurf macht, ohne mal auszusortieren. Er ist immer 100% ehrlich, das schätze ich sehr —nichts schlimmer als jemand, der dir sagt, dass alles, was du machst, toll ist.

4. Was würdest du weiblichen Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Hmm. Einfach machen. Es ist weniger kompliziert als du denkst. 

Es gibt keinen Grund warum es bei weiblichen Personen weniger funktionieren sollte als bei Männern. 

Und: Sprich gerade am Anfang viel mit Leuten, die Firmen haben oder selbstständig sind. Die können dir viel erklären, das super kompliziert scheint.

5. Was würdest du Frauen generell mit auf den Weg geben?

Auch wenn es viel soziale und berufliche Ungerechtigkeiten gibt, sei es Gender-Pay-Gap oder das Denken, das Business und Geschäftsführung was für Männer sei, denke ich, dass man als Frau einfach machen sollte und nicht zu viel über all das nachdenken muss oder sollte. Versuch es selbst in die Hand zu nehmen. Dein letzter männlicher Kollege hat für die gleiche Arbeit mehr verdient als du? Wenn du angestellt bist, sprich es an, trau dich, weil es hier um Wertschätzung geht. Wenn das nichts bringt, überdenke, ob du für diese Person arbeiten willst. Und wenn du nicht angestellt bist, sondern gründest: gratuliere, du hast es selbst in der Hand, all das besser zu machen. Übrigens finde ich persönlich nichts schöner als eine selbstbewusste Frau, die eine Firma führt, die all das ausstrahlt, was man sich im Bezug auf Gleichberechtigung so sehr wünscht, ohne viel darüber zu reden. 

6. Ein Fehler der dich vieles hat lernen lassen, aber den du kein zweites Mal brauchst?

Ein Fehler zu Beginn meiner Karriere als Grafikerin (noch in der Agentur): Gegen mich zu arbeiten anstatt mit mir / an mir zu arbeiten. Damals hab ich gemerkt, dass mich das ziemlich gebremst hat. Man darf an sich glauben. Aber ist alles ein Lernprozess. 

Fehler seit meinem eigenen kleinen Business: Bis jetzt noch kein erwähnenswerter – Fingers crossed! Kommt aber sicher noch ;-).

7. dein nächster Coup? Traum? Milestone?

Ich bin keine Person mit 5-Jahres Plan. Ich wünsche mir, dass mein kleines Business so gut weiterläuft, wie es angelaufen ist, dass ich viele spannende neue Leute, Kunden und Partner kennenlernen darf und wünsch mir spannende Projekte. Ich würde gern mal ein Wein-Etikett von einem richtig guten Weinhersteller gestalten. Und irgendwann einen Kunden gewinnen, der sich für Wohltätige Zwecke einsetzt, dem ich mit Kampagnen o. Ä. dabei helfen kann, was Gutes zu tun.

8. Wie und wo finden wir dich online?

Unter www.paulakirnbauer.com oder auf Instagram @paulakirnbauer – der Account ist halb-privat, machmal poste ich aber auch Design Case-Studies.

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