Female Leadership - Im Gespräch mit Saskia Schmidt

1. Erzähl uns von deinem Projekt „ONE DAY“ und deiner Vision davon?

Einige Jahre vor der Gründung von ONE DAY e.V. reiste ich nach Namibia und arbeitete dort in der Suppenküche eines Hilfsprojektes in der Kalahari Wüste. Diese Zeit hat etwas in mir verändert. Mir wurde klar, wie einfach es ist, Menschen zu helfen. Darin fand ich plötzlich den Sinn in meinem Leben. Ich kam nach Hause – überwältigt, betroffen und bereichert von den vielen Emotionen und wusste, dass ich etwas tun muss.

Ich veranstaltete eine kleine Ausstellung meiner Bilder aus der Zeit in Namibia und konnte so einiges an Geld einnehmen, welches ich an das Projekt spenden konnte. Um das in einem offiziellen Rahmen umsetzen zu können, gründete ich schließlich gemeinsam mit meiner Familie und Freunden den Verein ONE DAY. Ich wollte die Erkenntnis und das Gefühl, wirklich etwas beizutragen, mit anderen teilen und andere dazu motivieren mitzuwirken. Ihnen eine Hand reichen, um aktiv zu werden. Auf diesem Weg entstand eine unermüdliche Motivation, die mich bis heute antreibt.

2. Gab es große Hürden beim Gründen? Was waren Stolpersteine - wie bist du gut durch diese Phase gekommen? Selbstzweifel?

Es gab viele Hürden. Zunächst dauerte es Monate gedauert bis die Satzung stand und ich mich durch sämtliche Gründungsformalien gekämpft hatte. Ich bin eher ein kreativer Mensch und kann alles Bürokratische weniger leiden. Das war natürlich eine Herausforderung.

Der Grund für die Gründung selbst war eher unspektakulär: Es ging um die Ausstellung von Spendenbelegen und ein Steuerthema, das mit einherging. Ich persönlich wollte einfach durchstarten und loslegen, für mich persönlich hätte mein Engagement keinen Rahmen gebraucht.

Wie wichtig die Gründung wirklich war, wurde mir erst im Nachhinein bewusst:

Als das Baby einen Namen hatte, schlossen sich Menschen an. ONE DAY wurde zur Marke. Es war wie so oft: die Dinge fügen sich, wenn Du bewusste Entscheidungen triffst und Deine Energie einer Sache verschreibst.

Selbstzweifel hatte ich bei der Gründung keine. Diese begleiten mich eher im Alltag. Manche Dinge bleiben durch die Arbeit auf der Strecke: Ich vergesse Geburtstage oder kann nicht jeden Tag mit Freundinnen plaudern. Die Zeit ist leider oft zu knapp. Am liebsten wäre mir, ich könnte alles unter einen Hut bringen, leider geht das nicht immer.

3. Neben Karrierefrau und Unternehmerin bist du auch noch eine ganz frische, liebevolle Mama, wie schaffst du diesen Spagat?

Ich würde gar nicht sagen, „dass ich es schaffe“. Es fühlt jedenfalls auch oft nicht so an. Ich stehe oft von meinem Laptop auf und denke im ersten Moment daran was ich noch nicht erledigt habe. Gleichzeitig geht mir durch den Kopf, dass mein Kind jetzt schon drei, vier Stunden nicht bei mir ist und ich ihn vermisse, mich fast schlecht fühle, nicht rund um die Uhr für ihn da zu sein.

Faktisch bin ich so organisiert, dass wir zur Geburt wieder in mein Elternhaus gezogen sind und ich meine Mama schon vorab als Betreuung mit eingeplant habe. Sonst wäre die Weiterführung von ONE DAY nicht denkbar gewesen. Und schließlich hängen Menschenleben am anderen Ende der Welt von unserer Arbeit ab, da hört man nicht einfach mal so auf.

Ich fand den afrikanischen Ansatz „it takes a village zu raise a child“ schon immer gut. Es muss nicht nur die Mutter sein, die ein Kind betreut und aufzieht. Auch zum Wohl des Kindes ist es schön, wenn es von vielen Menschen im Umfeld betreut und geliebt wird.

Und so leben wir: Mein Freund ist in seiner Arbeitszeit flexibel und übernimmt gewisse Zeitfenster. Meine Mutter ebenso, sie ersetzt praktisch eine Kita. Gemeinsam machen wir es möglich, dass ich arbeiten kann und der Kleine eigentlich immer „Quality Time“ hat. Was nicht bedeutet, dass mir dabei nicht das Mamaherz auch mal blutet 🙂.

Ich gehe mit dem Flow. Denn das habe ich in Afrika gelernt: Flexibel sein.

Wenn wir spazieren gehen und der Kleine schläft, führe ich das ein oder andere Telefonat und wenn er zu Hause in der Trage schläft, stehe ich schonmal vor dem Laptop und versuche noch etwas zu arbeiten.

Ich versuche mir bewusst vor Augen zu halten, was ich gerade schaffe und nicht, was ich alles nicht schaffe. Das klappt mal mehr, mal weniger gut 🙂.

4. Was würdest du weiblichen Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Einfach machen. Mutig sein bedeutet auch, bewusst eine Entscheidung zu treffen und loszulegen. Auch wenn Du Dich vielleicht noch gar nicht ganz bereit fühlst, das fühlt man sich nämlich eigentlich nie.

Wenn Du für eine Sache brennst und losgehst, fügen sich die Dinge.

5. Was würdest du selbstständigen Frauen generell mit auf den Weg geben?

Hinter jeder von uns liegt ein Weg, der uns dazu gemacht hat, wer wir heute sind. Dieser Weg war sicher nicht immer einfach. Selbstständig hat für mich einerseits die berufliche Perspektive, andererseits die persönliche. Es gibt sicher auch viele „selbstständige“, starke Frauen die im Angestellten Verhältnis oder gerade Mama sind. Manchmal fühlt man sich vielleicht ein bisschen alleine, weil alle um Dich herum denken, dass Du Herausforderungen sowie schaffst und generell taff bist. Was ich daher allen selbstständigen Frauen inklusive mir mit auf den Weg geben möchte, ist: Du darfst trotz Deiner Stärke und Selbstständigkeit verletzlich sein und schwache Momente haben. Du wirst umso klarer aussprechen müssen, wenn Du Hilfe brauchst oder einfach mal nicht stark sein kannst. Das ist okay.
6. Ein Fehler der dich vieles hat lernen lassen, aber den du kein zweites Mal brauchst?

Einen konkreten Fehler kann ich nicht benennen. Aber ich bin vermutlich wie viele andere, die etwas schaffen eher der Typ Mensch, der viele Ideen hat. Unglaublich viele Ideen. 🙂

Was ich gelernt habe ist, dass es wichtig ist den Fokus nicht zu verlieren. Zu viele Ideen, die nicht zu Ende gebracht werden, bringen leider nichts.

Lernen musste ich außerdem, dass ich mich oft mit unbequemerer Arbeit befassen muss, die eher Organisation und Bürokratie in sich trägt.  Das ist als Kreative manchmal gar nicht so einfach!

7. Dein nächster Coup? Traum? Milestone?
Ein eigenes „Laden-Café“ mit unseren Charity-Artikeln, die die Welt ein Stück besser machen.
Ein Laden in dem es nicht um Profit geht, man dennoch schöne Dinge kaufen kann, die aber eine Vision in die Welt tragen. In jedem Artikel steckt eine Spende und die Gewinne machen es am Ende des Tages möglich, unsere Projekte zu finanzieren und damit Leben zu retten.

Ich würde an einigen Tagen vom Cafè aus arbeiten und wäre auch ansprechbar für Menschen, die mehr über ONE DAY wissen möchten. Kiano könnte nach der Schule dort hinkommen und Hausaufgaben machen.

In den gleichen Räumlichkeiten gäbe es einen Cafébereich, in dem man fairen Kaffee trinkt, dass ein oder andere Gute snackt und #deeptalk Gespräche führt. Über Themen, die über den Tellerrand hinausgehen, über den Sinn des Lebens, über Humanität, darüber wie es uns wirklich geht.

Wenn Du eintrittst fühlst Du ich sofort richtig wohl. Alles ist warm und riecht gut. Ein Place of Peace. Vielleicht gäbe es alle paar Wochen auch mal paar chillige Beats am Abend und man könnte sich auf einen „Gutes-tun-steht-Dir-gut-Drink“ treffen.
8. Wie und wo finden wir dich online?
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